Gepostet 07.10.2026, Bildung Schweiz
Die Schweiz bleibt einer der weltweit stärksten Standorte für qualifizierte Fachkräfte, ist aber nicht mehr in jedem internationalen Vergleich die Nummer 1. Dieser Ratgeber fasst zusammen, was die aktuellen Rankings aussagen, wo die Schweiz Stärken und Handlungsbedarf hat und was das für Fachkräfte im Schweizer Arbeitsmarkt bedeutet.
Kurzantwort: Ist die Schweiz 2025 das attraktivste Land für Fachkräfte?
Das hängt vom Ranking ab. Im IMD World Talent Ranking 2025 liegt die Schweiz auf Platz 1 von 69 Volkswirtschaften. Im Global Talent Competitiveness Index (GTCI) 2025 erreicht sie Platz 2 von 135 Ländern hinter Singapur. Die Rankings verwenden unterschiedliche Kriterien und Methoden, deshalb weichen die Ergebnisse voneinander ab.
Zwei Rankings beurteilen die Schweiz unterschiedlich
Im GTCI hat Singapur die Schweiz 2025 erstmals überholt, nachdem sie die zehn Ausgaben davor angeführt hatte. Im IMD-Ranking bleibt die Schweiz an der Spitze.
| Ranking 2025 | Schweiz | Top 5 | Schwerpunkt |
|---|---|---|---|
| IMD World Talent Ranking 2025 | Platz 1 |
|
69 Volkswirtschaften. Drei Faktoren: Investition und Entwicklung, Attraktivität, Verfügbarkeit von Kompetenzen (Readiness). |
| Global Talent Competitiveness Index 2025 | Platz 2 |
|
135 Länder, 77 Indikatoren, sechs Dimensionen: Enable, Attract, Grow, Retain, berufliche und technische Fähigkeiten, allgemeine adaptive Fähigkeiten. |
Der GTCI wird von INSEAD und dem Portulans Institute herausgegeben. Die 2025er-Ausgabe ist die elfte Ausgabe und deckt 135 Länder ab, die mehr als 97 Prozent des weltweiten Bruttoinlandprodukts repräsentieren. Singapur steht erstmals an der Spitze, die Schweiz folgt auf Platz 2, dahinter Dänemark, Finnland und Schweden. Zu den Indikatoren zählen unter anderem Soft Skills und die Konzentration von KI-Talenten.
Die Ranglisten widersprechen sich nicht grundsätzlich: Sie messen Talentwettbewerbsfähigkeit mit unterschiedlichen Indikatoren, Gewichtungen und Datenquellen.
Bei «Investment & Development» liegt die Schweiz im IMD-Ranking auf Platz 1. Zum Bildungssystem gehören die berufliche Grundbildung, die höhere Berufsbildung, die Hochschulen und die Weiterbildung. Berufsmaturität, höhere Fachschulen, eidgenössische Prüfungen, Fachhochschulen und Universitäten eröffnen verschiedene Wege zu höheren Qualifikationen.
Die ETH Zürich belegt im QS World University Ranking 2027 (veröffentlicht am 18. Juni 2026) weltweit Platz 8, geteilt mit dem University College London. In der Ausgabe 2026 lag sie noch auf Platz 7.
Im IMD-Faktor «Appeal» erreicht die Schweiz 2025 Platz 1. Folgende Stärken gehören laut IMD zum Schweizer Profil:
Im breiteren IMD World Competitiveness Ranking 2026 belegt die Schweiz zudem Platz 1 bei der Effizienz der Regierung und bei der Infrastruktur.
Prioritäten verschieben sich: Laut IMD-Befragung internationaler Führungskräfte spielen finanzielle Sicherheit und materielle Vorteile bei einem Stellenwechsel ins Ausland heute eine grössere Rolle als vor der Pandemie. Lebensqualität, Sprache und kulturelle Passung stehen nicht mehr in jedem Fall an erster Stelle.
Informationen zu Einwanderung, Arbeitsmarktintegration und beruflichem Einstieg: Beitrag «Arbeiten in der Schweiz: Chancen für Fachkräfte».
Im Global Innovation Index 2025 der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) belegt die Schweiz unter 139 Volkswirtschaften zum 15. Mal in Folge Platz 1. Bei den Innovations-Inputs liegt sie auf Rang 2, bei den Outputs ist sie stärker. Bei den kreativen Outputs steht sie weltweit an der Spitze.
Das ist nicht mit der allgemeinen Wettbewerbsfähigkeit gleichzusetzen: Im IMD World Competitiveness Ranking 2026 (veröffentlicht am 18. Juni 2026) fiel die Schweiz von Platz 1 auf Platz 3 hinter Singapur und Hongkong. Laut Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) via KMU-Portal sank die Schweiz bei der Wirtschaftsleistung auf Rang 37 (−24 Plätze), bei den Investitionen auf Rang 41 (−35 Plätze) und bei der Beschäftigung auf Rang 30 (−5 Plätze). Regierungseffizienz und Infrastruktur liegen weiterhin auf Platz 1.
Spitzenplätze garantieren weder in jeder Branche offene Stellen noch gute persönliche Beschäftigungschancen. Der Schweizer Fachkräftemangel hat sich zuletzt deutlich abgeschwächt. Das zeigt der Fachkräftemangel Index 2025 der Adecco Gruppe Schweiz und des Stellenmarkt-Monitors Schweiz der Universität Zürich (27. November 2025):
Die vier betroffenen Berufsgruppen, in der Reihenfolge des Rankings:
Deutlich entspannt hat sich die Lage bei Büro-, Verwaltungs- und kaufmännischen Fachkräften sowie bei ICT- und Informatikberufen. Adecco ordnet beide Gruppen als besonders KI-exponiert ein und hält einen Einfluss von KI auf sinkende Stellenzahlen für wahrscheinlich. Hauptgrund des Rückgangs insgesamt ist laut Adecco die wirtschaftliche Abkühlung.
Hinweis zur Methodik: Der Wert «2025» basiert auf den Daten des vierten Quartals 2024 und der ersten drei Quartale 2025.
Der GTCI 2025 misst stärker als frühere Ausgaben, wie anpassungsfähig Volkswirtschaften sind. Er berücksichtigt unter anderem Soft Skills und die Konzentration von KI-Talenten und weist eine eigene Dimension für allgemeine adaptive Fähigkeiten aus. Resilienz und Anpassungsfähigkeit standen im Mittelpunkt der Veröffentlichung.
Für Fachkräfte folgt daraus: Die Schweizer Arbeitsmarktdaten zeigen, dass KI-exponierte Büro-, ICT- und Finanzberufe nicht automatisch vor sinkender Nachfrage geschützt sind. Eine beliebige Sammlung von Zertifikaten ist deshalb keine Strategie.
Für eine persönliche Bildungsentscheidung ist die Nachfrage im konkreten Berufsfeld wichtiger als das Länder-Ranking. Redaktionelle Orientierung, bevor Sie sich für eine Weiterbildung entscheiden:
Unterstützung bei der Auswahl bietet der Ratgeber «Wie finde ich die richtige Weiterbildung?».
Die Schweiz ist 2025 weiterhin einer der weltweit attraktivsten Standorte für Fachkräfte: Platz 1 beim IMD World Talent Ranking, Platz 2 beim GTCI und Platz 1 im Global Innovation Index. IMD nennt zugleich vier Beobachtungsfelder:
Für einzelne Fachkräfte lautet die wichtigste Schlussfolgerung: Nicht jede Qualifikation ist in der Schweiz automatisch gefragt. Gute Perspektiven entstehen dort, wo eine solide Ausbildung, aktuelle Kompetenzen und nachgewiesene Nachfrage zusammenkommen.
Ist die Schweiz 2025 das attraktivste Land für Fachkräfte
Im IMD World Talent Ranking 2025 liegt die Schweiz auf Platz 1. Im Global Talent Competitiveness Index 2025 erreicht sie Platz 2 hinter Singapur. Die Antwort hängt deshalb vom verwendeten Ranking und dessen Kriterien ab.
Warum ist die Schweiz für Fachkräfte attraktiv
Zu den wichtigsten Faktoren gehören das Bildungssystem, die politische und institutionelle Stabilität, die hohe Lebensqualität, attraktive Verdienstmöglichkeiten, innovative Unternehmen und die Fähigkeit, qualifizierte Arbeitskräfte auszubilden und langfristig zu halten.
Welche Fachkräfte werden in der Schweiz gesucht
2025 bestanden besonders in Gesundheitsberufen, in bestimmten Bau- und Produktionsfunktionen, bei ingenieurtechnischen Fachkräften sowie bei Elektrikerinnen, Elektrikern und Elektronikfachkräften Engpässe. Die Nachfrage unterscheidet sich nach Region, Qualifikation und Berufserfahrung.
Welche Rolle spielt Weiterbildung für Fachkräfte
Weiterbildung ist besonders sinnvoll, wenn sie vorhandenes Fachwissen um nachweislich gesuchte digitale, technische oder branchenspezifische Kompetenzen ergänzt. Ein Abschluss allein garantiert jedoch keine besseren Beschäftigungschancen.
Stand: 7. Oktober 2026
Dieser Beitrag nennt jeweils die neuesten Ausgaben, die zum Redaktionsstand belegt werden konnten: IMD World Talent Ranking 2025, GTCI 2025, Global Innovation Index 2025, IMD World Competitiveness Ranking 2026, QS World University Ranking 2027 und Fachkräftemangel Index 2025. Sobald neue Ranking-Ausgaben erscheinen, voraussichtlich ab 2027, wird der Beitrag aktualisiert.
Quellen
Ein Ratgeber des Bildungsportals Bildung-Schweiz.ch – Ihrem unabhängigen Schweizer Netzwerk für Aus- und Weiterbildung.
Autor: Ivan Storchi, Bildung-Schweiz.ch | Erstveröffentlichung: 31.10.2020 | Zuletzt aktualisiert: 07.10.2026